Phönix ist ein Wesen der Verwandlung, der Umsetzung, Transfiguration und Aktualisierung von Stoff. Elija Wagmann arbeitet mit unterschiedlichen Materialien, bildhauerischen Techniken und Formensprachen, die im fertigen Werk die Geschichte(n) ihres Prozesses erzählen. Beim Phönix manifestiert sich dieser Prozess ausgehend von suchenden Zeichnungen, Skizzen und plastischen Formmomenten zunächst in einer aufs „Skelett“ reduzierten Metallkonstruktion für das händisch modellierte Tonmodell. Von diesem wird dann eine Gussform aus Gips und Silikon abgenommen, die für den Bronzeguss mittels des Wachsausschmelzverfahrens dient:
Die feuererhitzte flüssige Bronze schießt in die umschließende Negativform und verbrennt dabei das Wachs, das die provisorische Positivform gebildet hatte. Der flüssige Bronzekörper verbrennt / frisst / verbraucht seinen vorgängigen Körper aus Wachs. Aus dem heißen Bronzestrom erkaltet und erhärtet sich die fixe und durable plastische Form.
Neben dem Bronzeguss wurde auch ein Kunststoffguss aus Acrystal und Polyurethan angefertigt. Im nächsten Schritt arbeitet Elija Wagmann weiter an der plastischen Oberfläche beider Güsse, die neben dem modellierten und gegossenen Volumen ein Schauplatz der Materialerzählung werden: Durch die Applizierung einer Eisengrundierung wird dem ehemals weiß-transluziden und leichten Kunststoff- Phönix eine kohleschwarze Haut anverliehen. Durch das anschließende Auftragen einer Bronzeoxidation rostet diese. In Analogie zum Material verwandelnden / (selbst) verzehrenden / verbrauchenden Element des Feuers setzt die orangerote Korrosion einen Prozess der (langsamen) Zersetzung in Gang; der Reduktion und Auflösung.
Beim Bronze-Phönix entscheidet sich Wagmann für eine andere Geschichte: Statt einer Patina, die einen zur Korrosion vergleichbaren natürlichen oxidativen Prozess am Bronzephönix initiieren würde, überzieht der Künstler den Vogel mit einer Haut aus Gold. Unter der Anlegemilch und dem Aktivator für die Applizierung des 23 ¾ karätigen Blattgoldes trägt Wagmann zunächst einen roten Lack auf, der neben seiner technischen Funktion als Oxidationsschutz dem Blattgold auch einen dunkelroten Grund bereitet, der zwischen den einzelnen Goldschuppen und ihren Lichtreflexen hindurch scheinen wird.
Guss und Oberflächenbehandlung der Skulptur sind auf ihre Präsentation im Freien ausgerichtet, ebenso wie für den spezifischen Standort im Rahmen der Langenberger Kunstwege, an denen der Phönix dauerhaft aufgestellt wird. Wenn Sonnenlicht auf den auf einer Stange in 5 Metern Höhe befestigten Phönix trifft, entfalten das Gold und seine rote Grundierung ihr transformatorisches Potential: Die goldrotflammenden Lichtreflexe setzen die Verzehrung des Bronzevogels in Gang, der somit gleichsam auf den Prozess seiner bildhauerischen Konzeption wie auf das Potential seines Mythos verweist.
Text: Irene Kastner
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Geburtsjahr und -ort:
Geboren 1997 in Moers. lebt und arbeitet in Düsseldorf
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Ausbildung:
2016 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf
2017 Gaststudium bei Prof. Gregor Schneider
2017-2019 Studium bei Prof. Didier Vermeiren
2019 Gaststudium bei Prof. Konraad Dedobbeleer
Seit 2020 Studium bei Prof. Thomas Grünfeld
2023 B.Ed. Kunstakademie Meisterschüler Thomas Grünfeld
2025 Akademiebrief und Abschluss an der Kunstakademie Düsseldorf -
Ausstellungen / Beteiligungen
2018 „Fachwerk“, Kunsthaus Mettmann e.V. (G)
2020 - 2021 „Atlantis“, Pumpwerk Siegburg – Kunstverein für den Rhein-Sieg-Kreis e.V. (G)
2022 „Kolleg der Künste Montepulciano” (DAAD)
2023 „Generationen“, Malkastenpark, Malkastenverein Düsseldorf e.V. (G)
„Generationen“, Akademie Galerie, Kunstakademie Düsseldorf e.V. (G)
2024 „Notes from the Underground“ Pumpwerk Siegburg - Kunstverein für den Rhein-Sieg Kreis e.V. (G)
2025 „Skulptur” Betonbox Düsseldorf (G) -
Kontak
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