Axel Kreiser
Kipppunkt

Ort:


Material:
Maße:
Jahr:

Wiese zwischen Donnerstraße 9 und Weg, Am Deilbach42555 Velbert – Langenberg

Cortenstahl
L 175 cm, B 85 cm H: 145 cm
2024

Schon länger gab es einen Austausch mit Verantwortlichen des Kunsthauses Langenberg über die Konzeption der Skulpturenwege Langenberg. Durch meine Arbeit als Dozent für Metallbildhauerei an der Kunstakademie Düsseldorf, begegne ich regelmäßig jungen Studierenden, die jeweils ihre Vorstellungen von Bildhauerei oder Skulptur entwickeln. Jede Generation definiert immer wieder neu, was eigentlich mit Skulptur gemeint ist. Zunächst beratend involviert, wurde ich schließlich aufgefordert selbst eine Idee für die Skulpturenwege zu entwickeln. Von Anfang an reizte mich die Vorstellung eine Arbeit explizit für Langenberg zu erstellen. Durch die Begehung des Ortes, vielleicht weil mir manche abschüssige Fläche auffiel, kam ich zum Begriff „Kipppunkt“. Heute in aller Munde im Zusammenhang mit dem Klimawandel, verstand ich dieses Phänomen, die plötzliche Wandlung eines Zustands in einen qualitativ völlig anderen als eine reizvolle bildhauerische Aufgabe.
Immer sind mehrere Orte der Aufstellung möglich. Ein jeweiliger Ort kann eine bestimmte Wahrnehmung fördern oder hemmen. Ich bin sehr froh über den gefundenen Platz. Es ist ein Wiesenstück, ein geräumiges Dreieck, das gefasst ist durch drei unterschiedliche Wege. Der prominenteste Weg führt entlang des Bachlaufs, ein zweiter ist ein Verbindungsweg zwischen der höher gelegenen Straße und dem Bachweg, der dritte lediglich ein Trampelpfad, ist eine Abkürzung. Alle diese Wege erlauben die Annäherung an die Skulptur, ebenso das Vorbeigehen. Nicht weniger wichtig ist die Nachbarschaft eines imposanten Baumes, es trifft hier Natur, die Jahreszeiten, die herabfallenden Blätter, der Schatten auf einen abstrakten Gegenstand dessen Bedeutung sich nicht einfach so erschließen mag. Schließlich im Hintergrund das Gebäude der Turnhalle, ein starker Kontrast, sowohl zur Naturumgebung als auch zum Kunstwerk selbst.
Jeder der Kinder hat weiß, je dringlicher man als Eltern ein Buch, eine Musik, ein Rezept empfiehlt, desto wahrscheinlicher ist es das diese Empfehlung ignoriert wird. Eine Skulptur ist lediglich ein visuelles Angebot, es sollte sich nicht wie Werbung aufdrängen. Eine Skulptur kann ziemlich einfach funktionieren, man umrundet das Objekt und je genauer man es betrachtet, desto mehr erzählt es von seiner Herstellung, von der Zeit in der es entstand, erzählt es eine Geschichte oder von einem Entstehungsprozess, womöglich zeigt es auch eine Idee. Vielleicht erinnert es an etwas oder es behauptet sich als Landmarke, wird womöglich ein Treffpunkt. Es ist offen welche Bedeutung die Skulptur für den Ort haben wird.
Mir gefällt die Vorstellung das Passanten oder Flaneure, das Schulkinder oder spazierende Paare vorbeigehen, vielleicht oft vorbeigehen ohne den Gegenstand genauer zu inspizieren. Die Skulptur hat alle Zeit, auch später noch enthält sie alle angelegten Qualitäten. Ein Gegenstand als Gedicht, ein poetisches Ding, weil es keine Funktion sonst hat, als Menschen schwere Fragen zu stellen.
Mehrere meiner Arbeiten besitzen keine Standfläche, ähnlich wie ein Felsen oder Stein können sie verschiedene Positionen einnehmen. Gerne variiere und ändere ich für Ausstellungen die Präsentation. Bei „Kipppunkt“ wollte ich den Moment da eine Sache sich in sich ändert finden. Es war wichtig, dass im Gegenstand eine bestimmte Kraft oder Energie vorkommt. Ein Tier vor dem Sprung, die austarierte Balance der Gewichte sollte spürbar sein und es sollte eine Stelle, einen Blickwinkel geben da man glaubt die Balance geht verloren. In der Statik des Objekts, sollte die Dynamik zum Verlust des Gleichgewichts gleichsam enthalten sein.