Wie ein Keim scheint eine kleine Form aus dem Boden hervor zu sprießen und sich immer weiter in die Höhe zu strecken. Anfänglich wenige, weiche, abgerundete Kanten bilden sich zunehmend aus. Die dritte Form hat noch eine annähernd eiförmige Proportion, danach streben sie deutlich nach oben und werden zu Stelen, die sich weiter ausdifferenzieren und weitere Formelemente erhalten. Bei der vierten deutet sich eine Vertiefung an, die bei der fünften zu einem schmalen Durchbruch und bei der sechsten zu einer großen Öffnung wird. Aus einer kleinen, embryonalen Grundform wird durch Wachstum und Entwicklung eine große, individuelle Form, die sich klar und selbstbewusst in die Welt stellt.
Doch gleichzeitig beginnt spätestens ab der fünften Form ein zweiter Prozess sich anzubahnen: Vergehen und Verfall, erst noch unbemerkt durch kleine Verletzungen und Störungen, wie Risse und Beschädigungen der Oberfläche, bis zu sichtbaren aber noch kleineren Aus- oder Abbrüchen. Bei der siebten Form ist die Zerstörung dann offensichtlich, die obere Hälfte ist abgebrochen und herab gestürzt, liegt halb in der Erde versunken auf dem Waldboden. Und wird wieder zum Keim für einen neuen Zyklus …
Somit wird mit dem Werden und Vergehen ein zentrales Thema des Stillen Parks als einem ehemaligen Friedhof aufgegriffen.
Das zweite Thema greift die Grundidee eines jeden Parks auf: die Begegnung von Natur und Kultur. In einem Park greifen die Menschen mal behutsam, zuweilen auch rabiat (in den Barockgärten oder in den immer noch beliebten „Schottergärten“) in die Natur ein, lenken und gestalten diese, fügen hinzu und lassen auch wieder wachsen. Viele Parks erhalten ihren besonderen Charme auch gerade dadurch, dass die Natur sich den Ort wieder zurück erobert.
Auch dieses Prinzip findet sich in den Stelen wieder. So haben diese einen konstruierten, geometrischen Bauplan, dieser wird aber nicht exakt umgesetzt, sondern individuell, von den Gegebenheiten beeinflusst, ausgeführt. Wind und Wetter, Flechten, Moose und Wurzeln werden an ihnen nagen und sie irgendwann wieder zu Staub werden lassen.
Ein weiteres Motiv ist das Nehmen und Geben. Es drängt sich nicht so auf, findet sich aber wieder in den Formen. Die ersten wachsen in den Raum hinein oder nehmen Raum ein, die späteren bilden einen Innenraum aus, schaffen einen Freiraum, geben Einblick und Durchblick.
Es ist meine Idee und mein Wunsch, dass sich sowohl die Natur, als auch die Menschen dieses Werk aneignen. Die Gäste des Parks sollen sich eingeladen fühlen, den Stelenkreis zu erkunden und zu erforschen, die Formen erfühlen, darauf sitzend zu verweilen, verschieden Standpunkte einzunehmen, neue Durch- und Ausblicke zu entdecken.
Technische Angaben
Die acht Stelen wurden aus Beton angefertigt. Durch die spezielle Zusammenstellung der Zuschlagstoffe, wie weißer Zement, lehmhaltiger Sand und Kies u.w.m. entsteht ein warmer Farbton. Nach dem Aushärten wurde die gesamte Oberfläche behauen, so dass die Gusshaut entfernt und die Steinchen sichtbar werden, dadurch ergibt sich eine steinartige Anmutung.
Die Stelen haben eine geometrische Grundform, so z.B. eine fünfeckige Standfläche, die aber bewusst nicht streng ausgeführt wird. So variieren die Kantenlängen und Winkel leicht voneinander, auch sind die Kanten und Flächen nicht exakt gerade, sondern leicht nach außen gewölbt, dadurch wirken die Formen individuell, warm und lebendig.
Die Größte Stele hat eine Höhe von 2, 70 m und ein Gewicht von 1,2 t. Das Gesamtgewicht beträgt ca. 3,8 t.
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Geburtsjahr und -ort:
1967 in Bagdad, lebt und arbeitet seit 2020 im KunstWerk Wuppertal
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Ausbildung:
Ausbildung zum Orgelbaugesellen, Studium der Bildhauerei an der Alanus Hochschule Alfter
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Künstlerische Tätigkeiten:
Skulpturen und Objekte aus Holz, Kunststoff oder Beton sind von einer gewissen mystischen Ästhetik
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Mitgliedschaften:
Sculpture Network
BBK Berufsverband bildender Künstlerinnen
Künstler Bergisch Land e.V. -
Kontakt:
www.martin-langer.net
www.kunstwer-wuppertal.de
