Metamorphose bedeutet Gestaltenwechsel. In diesem Objekt von Norbert Bauer ist der Wechsel dreischichtig vollzogen: die Figur tritt aus dem Rahmen, die Kontur verbleibt als Hülle, der Körper beugt sich voraus.
Der Rahmen, das ist die sechs Zentimeter dicke Platte aus Corten-Stahl. Die Figur, ein humanoider Kern von gleicher Wandstärke, befreit sich daraus durch Neigung nach vorne – im selben Winkel, in dem sich die Rahmenplatte nach hinten neigt. Sie schält sich dabei gleichsam wie ein sich häutendes Wesen aus seiner Hülle, die in der Mitte verbleibt.
Mit diesem Objekt veranschaulicht Norbert Bauer einerseits das Gestaltungsprinzip, das allen Werken der Tuchfühlung 2 zu Grunde liegt: um die vielfach produzierte, serielle Körperkontur zu gewinnen, muss ein immenser Materialaufwand betrieben werden. Dadurch wird der materielle Wert der Figur deutlich, die nur einen geringen Prozentanteil der zugrunde liegenden Stahlplatte ausmacht.
Anderseits wird deutlich, das jede Körperkontur auch einen Verlust darstellt: das Rahmenmaterial und der Körper verschwinden, nur die Hülle bleibt bestehen. Insofern ist die Metamorphose auch eine Metapher auf die Funktion des Menschen in der Gesellschaft: der äußeren Anmutung, dem Schein, wird mehr Gewicht beigemessen als dem Inhalt, dem Sein.
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Geburtsjahr und -ort:
Geboren 1951 in Gelsenkirchen
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Ausbildung:
Fotograf
Studium Germanistik und Kunst -
Künstlerische Tätigkeiten:
1993 Gründung des Vereins Kunsthaus Langenberg e.V.
1994 Kunstsammlung "Die Grundsteinkisten"
1997 Tuchfühlung 1 - Die Haut - Das Gewand - Das Haus
2000 Tuchfühlung 2 - Körperkonturen
2010 Die Ruhratolle - Ein Projekt zur Kulturhaupstadt 2010 auf dem Baldeneysee in Essen
2012 Gründung des Alldiekunsthauses -
Veröffentlichungen
1994 Multiple "DieGrundsteinkiste"
1997 Tuchfühlung 1
2000 Tuchfühlung 2 Band 1
2000 Tuchfühlung 2 Band 2
2010 Das Ruhr-Atoll
2016 Die Grundsteinkiste
